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„Wo der Mensch lacht, hat der Teufel seine Macht verloren“

„Wo der Mensch lacht, hat der Teufel seine Macht verloren“

So lautet die Kernaussage des bekannten Kinderbuches von James Krüss: „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“.
Ein armer Junge namens Timm, der einzig durch sein fröhliches, ansteckendes Lachen auf sich aufmerksam macht, erhält von einem reichen Baron das Angebot, ihm dieses Lachen zu verkaufen. Im Gegenzug würde er jede Wette, die er abschließt, gewinnen und dadurch sehr reich werden. Was sich als das große Los darstellt, entpuppt sich im Laufe der Geschichte als teuflische Intrige, denn erst der Verlust des Lachens macht dem Jungen klar, wieviel kostbarer als alles Geld es ist, sich von Herzen freuen zu können. Er erlebt einen mühsamen, gefährlichen Kampf um sein Lachen wieder zu gewinnen und nur durch einen Trick und die Hilfe von Freunden, gelingt es ihm, am Ende diesen Deal rückgängig zu machen.
Wo der Mensch lacht, hat der Teufel seine Macht verloren
Emotional starke und psychisch gesunde Menschen fragen sich oft, wie Depressionen entstehen und können sich nicht vorstellen, womit depressive Menschen eigentlich zu kämpfen haben.
Ich gehörte früher auch dazu. Aus eigenem Empfinden hat sich mir dazu ein Bild aufgedrängt, welches ich hier gerne teilen möchte, dass aber keineswegs begründet oder erwiesen ist.

Ich stelle mir vor, jeder Mensch ist mit einer- vor der Seele liegenden- Membran ausgestattet. Sie ist eine überaus sensible, hochelastische Scheidewand, die die Schwingungen des Lebens an unsere Seele, unser Innerstes, überträgt.
Sie ist es auch, die etwas in uns wörtlich „zum Klingen“ bringen kann. Bestimmte Musik z. Bsp., die uns anrührt, Natur, Bücher, Nachrichten oder Worte. Im Grunde werden alle Eindrücke, die wir wahrnehmen, von dieser Membran aufgefangen und setzen sie in Bewegung. Es findet ein positiver oder negativer Widerhall statt. Je nachdem, ob und wie intensiv wir davon berührt wurden, überträgt sie die ausgelöste Emotion in unser Inneres- oder lässt sie abprallen.

Psychisch gesunde Menschen reflektieren und verarbeiten auf diese Weise Schönes und weniger Schönes. Sie können sich dadurch erlauben, in Schönem zu schwelgen und das Unschöne von sich zu weisen. Das Innerste bleibt dadurch heil und unbeschadet.

Meine Vorstellung ist, dass bei Menschen mit einer kranken Seele,
diese „Membran“ zerstört wurde.
Etwas im Leben hat so starke Schwingungen ausgelöst, dass sie zerplatzt ist wie eine Seifenblase. Ungebremst findet nun das, was sie verletzt hat,
Eingang in das Innerste, in die Seele.
Als würde einem Ritter die Rüstung ausgezogen und gnadenlos auf ihn eingestochen, sehen psychisch Kranke sich einem Kampf ausgesetzt, dem sie nichts mehr entgegen zusetzen haben. Hilf- und wehrlos erlebt man, wie negative Emotionen wie Dolche direkt in die Seele, unser Hoheitsgebiet, eindringen, sie tief verwunden und sich einnisten. Die Identität wird angegriffen. Das, was uns ausmacht, worüber wir uns definiert und woran wir geglaubt haben, ist erschüttert oder sogar zerbrochen. Die kognitiven Fähigkeiten arbeiten eingeschränkt.
Das Häßliche verdrängt das Schöne und so breitet sich schiere Verzweiflung aus, die unfähig macht, dem irgend etwas entgegenzusetzen.

Ein Szenario wie in einem Gewalt verherrlichendem Computerspiel. So absurd es auch klingt, so real fühlt es sich für die Betroffenen an und ist deshalb so schwer nachvollziehbar.
Chaos im Kopf. Ich führe Krieg gegen mich selbst- und kann dabei nur verlieren, wenn die zwei wichtigen emotionalen Säulen mein Lebensgebäude nicht mehr tragen: Freude und Hoffnung.

Wo der Mensch lacht, hat der Teufel seine Macht verloren

In unserer hektischen, auf Funktionalität ausgerichteten Welt werden diese beiden in ihrer elementaren Bedeutung unterschätzt und damit dem unsichtbaren Leid, der Depression, Vorschub geleistet. Erst der Verlust von Freude und Hoffnung läßt erkennen, wie stark der Mensch eingebunden ist in dem empfindlichen Gewebe der ideellen Grundbedürfnisse.

Das Bemühen der Psychologen und Therapeuten um die Wiederherstellung der kognitiven Fähigkeiten ist ein wichtiger Schritt, damit die eingangs genannte „Membran“ wieder heilen bzw. hergestellt werden kann. Man kann sie nicht einfach auswechseln oder neu einpflanzen wie ein Organ.
Auf dem Schlachtfeld der Gedanken muss erst Waffenstillstand eingekehrt sein.
Selbsterkenntnis und die Neu-Saat von Freude und Hoffnung können vielleicht die Selbstheilungskräfte freisetzen. Es ist aber ein langwieriger, schmerzhafter Prozess und viele unsichtbare Narben werden bleiben.

In der Bibel gibt es eine Geschichte, in der ein blinder Mann inmitten eines Menschenauflaufs Jesus lautstark um Hilfe anruft. Als Jesus ihn fragt, was er für ihn tun soll, antwortete dieser : „Ich möchte wieder sehen können.“ (Mark.10, 46-52)

Ob Schatten auf den Augen oder auf der Seele, depressive Menschen dürfen sagen:
„Ich möchte wieder lachen können“.

Worum würdest du bitten?

Claudia Bettina

 

PS: Am 03.Oktober 2016 wurde dieser Blog begonnen. Danke, dass du dabei bist.

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Dunkle Tage – wenn die Fröhlichmacher nicht fröhlich machen

Dunkle Tage - wenn die Fröhlichmacher nicht fröhlich machenSummertime and the living is easy…

haben es  große Jazz – Interpreten in der  bekannten Oper „Porgy and Bess“ von Gershwin besungen und drücken damit die Leichtigkeit des Seins aus, die ein unbeschwerter Sommertag mit sich bringt. Blauer Himmel, wogende Kornfelder, Meeresplätschern… Jeder assoziiert damit andere, aber immer angenehme Dinge.

Die Sonnenseite des Lebens ist uns leider nicht immer vergönnt. Was, wenn sich die Tage grau in grau feuchtkalt dahin schleppen und die Nebelschwaden sich klamm auch auf unser Gemüt zu legen scheinen? Wenn die größte Herausforderung des Tages darin besteht, morgens aufzustehen? Wenn die schon am Nachmittag einsetzende Dunkelheit beklemmend nach der Seele greift und ihr droht, im Meer aus Trübseligkeit zu versinken? Wenn die kleinen runden Fröhlichmacher uns ihre aufhellende Wirkung zu versagen scheinen und gut gemeinte Spaziergänge die Tristheit draußen noch mehr verinnerlichen?Dunkle Tage-www.feuerfangen.de

Wenn die  innere Chemie  aus dem Gleichgewicht geraten ist und die Highlights unserer Gefühle nicht mehr zu uns durchdringen, weil wir uns mit äusserer Chemie vor Tiefflügen schützen müssen, kann ein einfaches Prinzip  uns helfen, seelisch zu „überwintern“: Rückbesinnung auf schöne Dinge, die ich  z. Bsp im Sommer erlebt habe: Die Ferienreise, das Treffen mit Freunden, ein tolles Konzert, die Einladung zur Grillparty. Oder so simple Dinge, wie das weiche Moos unter meinen Füßen spüren, dIe Abende im Kerzenschein auf der Terrasse, sich im Wasser geschmeidig bewegen können, mit Kindern eine Sandburg bauen…

Dunkle Tage - wenn die Fröhlichmacher nicht fröhlich machen

Goethe formulierte es so: „Auch das ist Kunst, ist Gottes Gabe, aus ein paar sonnenhellen Tagen, sich soviel Licht ums Herz zu tragen, dass, wenn der Sommer längst verweht, das Leuchten immer noch besteht.

Dankbarkeit  ist ein weiteres Schlüsselwort im Umgang mit düsterer Stimmung. Dankbar zu sein für das, was man hat, statt nach dem zu sehen, was man nicht hat.

Noch krasser finden wir es bei Dale Carnegie in seinem Buch „Sorge dich nicht – lebe!“ ausgedrückt : „Das Leben war trübe, und Dollar hatte ich keine. Da traf ich auf der Straße einen Mann ohne Beine.“

Alles ist also relativ! Einer unserer ärgsten Gegner im Ringen um unser eigenes Wohlergehen ist gleichzeitig ein enger Vertrauter: das Selbstmitleid. Es verzerrt unseren Blick und versperrt der Dankbarkeit den Weg. Aber es liegt an uns, ihm Raum und Stimme zu verleihen. Halten wir also lieber nach den Sonnenstrahlen statt nach Regenwolken Ausschau!  Und wenn wir sie gar nicht sehen, ist es immer noch „besser, ein Licht anzuzünden, statt über die Dunkelheit zu schimpfen.“ (Konfuzius)

Betty

Dunkle Tage - wenn die Fröhlichmacher nicht fröhlich machen

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