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Luther ja, Freigeist nein

Luther ja, Freigeist nein

Eine Region im Luther-Fieber

Der Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt atmet aus jeder Pore Luther. Tausende Menschen aus aller Welt werden erwartet zur Weltausstellung, zum Kirchentag, zum 500. Geburtstag der Reformation. Ein organisatorisches Meisterwerk muss erbracht werden, um den Besucherströmen gerecht zu werden in einer Zeit, in der nationale Sicherheit ein kostbares Gut geworden ist, erst recht in einer kleinen Provinzstadt wie Wittenberg.Dafür wurden viele neue Jobs geschaffen in Museen und ihren Shops, in Komitees, in Organisationen und Verwaltungen: Geschäftsführer, Botschafter, Präsidenten,Ticketverkäufer, Organisatoren, Koordinatoren, Garderobenanhänger, Gästeführer, Gästebetreuer, Standverkäufer, Parkplatzanweiser, Shuttlefahrer, Sicherheitspersonal, Aufräumer, Aufsichtsleute, Ticketabreisser, Auskunftgeber…usw. 

Luther finden plötzlich alle toll! Und jeder möchte seinen Anteil abbekommen vom großen Kuchen des Lutherhype. VIP’s outen sich als Reformationsfans. Reformation ist zum Modewort geworden , es riecht nach Aufbruch, nach Veränderung, nach dem Ablegen alter Hüte. Und manch einem mögen dabei die 68 iger näher sein als das, was Luther vor 500 Jahren anmahnte.

Luther ja, Freigeist nein

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Um sicher zu sein, ob man sich tatsächlich mit Luther identifizieren kann, sollte man die grundlegenden Verhaltensweisen des großen Reformators einmal beleuchten.
Da fällt vor allem die Eine auf: MUT.
Mut zur Erkenntnis, Mut zum Bekenntnis, Mut für dieses Bekenntnis geradezustehen.
Mut zum Ansprechen von Mißständen, Mut zum Beseitigen der Mißstände.
Mut mit Obrigkeiten auf Augenhöhe zu reden, Mut zum Eingestehen von Fehlern, Mut, um Dinge neu und anders anzugehen.
Martin Luther war ein mutiger Mann!
Auch wenn er mitunter von seinen Selbstzweifeln fast aufgefressen und depressiv wurde, setzte er all seine Kraft für seine Überzeugungen ein. Dafür verlor er zeitweise materielle Sicherheit, Freiheit, Ansehen und fast sein Leben.
Wären all die neuen Lutherfans und Anhänger der Reformation dazu bereit?

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Woher bezog er diesen Mut? Was machte ihn so mutig, dass er bereit war, sein Leben zu riskieren? Es war sein Glaube an Gott als die einzige Instanz, die der Mensch fürchten muss!
Diese Überzeugung verlieh ihm die innere Freiheit, zu denken, zu tun und zu lassen, was er für richtig erkannte.
Als jemand, der 40 von seinen 50 Lebensjahren im Landkreis Wittenberg zubrachte, muss ich leider sagen, dass die meisten Menschen hier in der Region von dieser Überzeugung weit entfernt sind.
Das liegt zum Einen an den 40 Jahren Kommunismus, der in diesem Teil Deutschlands ganze Arbeit geleistet hat.
Die Menschen wurden geduckt und zum Stillhalten instrumentalisiert. Die Gottheiten der Kommunisten und Sozialisten hießen Marx, Engels und Lenin und wurden mit ihren Lehren dazu benutzt, ganze Generationen in Angst, Mißtrauen und Feigheit zu erziehen.

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Ich bin in der DDR nahe Wittenberg in einem evangelischen Pfarrhaus, einer Enklave der ideologischen Freiheit, aufgewachsen und habe sozusagen die reformatorischen Werte mit der Muttermilch eingesogen. Kein Wunder, dass ein „Rebell“ daraus hervor ging, wenn man darunter schon jemand verstand, der einfach nur seine Meinung laut sagte und sie auch vertrat, was folgerichtig Konsequenzen hatte. Mir blieben also Abitur und Studium trotz bester Leistungen versagt.
Trotz unserer freiheitlichen Demokratie im Deutschland des 21. Jahrhunderts, in dem jeder seine Überzeugungen laut bekennen darf, finde ich mich wieder zwischen Duckmäusertum, Druckausübung, aufgeblasener Überheblichkeit und Engstirnigkeit.
In den letzten 5 Jahren liegen 3 Arbeitsverhältnisse hinter mir, bei denen meine Geradlinigkeit meinen Leistungen zum Verhängnis wurde. Innere Freiheit ohne Menschenfurcht kann ungewollt und unbewußt zu einer gefürchteten Waffe werden im Kampf um den längeren Hebel. Gesucht werden Stillhalter, graue Mäuse, Ja-Sager. Und davon gibt es hier noch reichlich.
Meine persönlichen Erfahrungen haben mich krank gemacht. Ein Jahr lang litt ich an Selbstzweifeln und Depressionen. Da half auch Luther nicht. Wohl aber der, der auch sein Mutmacher war.

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Luther war ein Freigeist durch und durch. Wenn wir also dem Geist der Reformation in der Form huldigen, wie es gerade ein ganzer Wirtschaftszweig tut, dann sollte dieser Freigeist auch zum Zuge kommen dürfen.
Ich wünsche mir mehr Menschen, die nicht nur auf den Luther- Zug aufspringen, sondern auch bereit sind, die Werte zu leben, die dieser als Fracht mit sich führt.

Bettina

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Leidenschaft, die Leiden schafft

Was haben der Eiffelturm, die 9. Sinfonie, ein paar Jeans, Luthers 95 Thesen, Pippi Langstrumpf und die Sixtinische Kapelle gemeinsam?

Sie alle wurden von Menschen geschaffen, die, obwohl sie zu ganz unterschiedlichen Zeiten lebten, eines teilten: Eine ausgeprägte Leidenschaft zum Leben, die in ihnen das Beste hervorrief, was sie zu geben hatten: ihre Begabungen, Talente, Ausdauer, ihren Fleiss und Mut.

Leidenschaft, die Leiden schafft

Ich finde  den Begriff  „Leidenschaft“ wunderbar, weil er so komplexe Inhalte vermittelt, wie Schaffen, etwas mit Inbrunst tun, aber auch die Bereitschaft zu Leiden und Verzicht ausdrückt und damit das eigene Wohl hinter der Idee zurück stehen lässt. Passion. Also nichts für die breite Masse.

Leidenschaft, die Leiden schafft

Was  aber wäre die Welt ohne all die eingangs erwähnten Beiträge, die heute unsere Kultur so stark prägen? Es gibt nichts Weltbewegendes ohne Menschen, die sich mit Hingabe ihrer Sache widmen. Diese Menschen werden so dringend gebraucht! Und doch gibt es in unserem Land Viele, die mit leeren Gesichtern sich ihrem Einerlei-Trott ergeben haben. Es müssen ja auch nicht alle potentielle Burnout-Anwärter sein 😉

Leidenschaft, die Leiden schafft

Trotz aller Fehler, die sich gerächt haben, trotz der Demontierung meiner Persönlichkeit, trotz allen Leidens in diesem Zusammenhang: Immer noch und wieder möchte ich mich begeistern können. Was ich innerhalb meiner Möglichkeiten tun kann, mit Hingabe tun. Ein Lächeln in Gesichter zaubern. Ich möchte Spuren hinterlassen und auch glühender Bewunderer sein.  „Feuer fangen“ eben, auch wenn man sich dabei doch hin und wieder mal den Mund verbrennt. Mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit all meiner Kraft….leben, lieben, Funken sprühen.

Wofür brennst du?

Betty

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Total Eclipse of my heart – Raus aus dem Tunnel

 

Du bist in ein tiefes Loch gefallen und hast nicht die Kraft, dich da raus zu kämpfen.
Du glaubst, du bist vom Leben abgeschieden, allein mit deinem neuen Ich, dass du so gar nicht kennst. Es stellt sich vor: Erschöpfung. Sich nicht konzentrieren können. Traurigkeit. Mutlosigkeit. Perspektivlosigkeit. Na toll! Sonst noch was? Ach ja: Nichts auf die Reihe kriegen.
Zuerst versuchst du es mit Ignoranz: Das bin nicht ich. So bin ich nicht. Aber deine Gedanken fahren Karussell. Endlosschleife. Dann erkennst du, dass du diesen ungebetenen Gast nicht einfach wieder los wirst. Also bekämpfst du ihn. Nur hat dich all deine Kraft verlassen.
“Der Geist ist frei und unberechenbar…“ erkannte schon der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel vor ca. 200 Jahren. Ob er das damit gemeint hat? Du fühlst dich dieser, deiner neuen Persönlichkeit ausgeliefert. Gnadenlos verbraucht sie Schachtelweise Kleenex. Sie heult in der Sauna, unter der Dusche, unter der Bettdecke, sie heult auf dem Klo. Sie heult beim Wimpern tuschen, beim Autofahren, im Supermarkt, beim Essen. Irgendwie immer.

So kann es nicht weitergehen, denkst du. Irgendwer muss doch den Wasserhahn wieder abstellen können. Hilfe!! Ich brauche Hilfe!! Glückwunsch- der erste Gedanke in eine richtige Richtung! Lass eine Fachkraft ran. „Seelenklempner“. Jetzt weißt du auch, woher dieses Wort kommt. Die helfen, den Hahn wieder zuzudrehen.

Total Eclipse of my heart – Raus aus dem TunnelUnd du merkst auf einmal: Hallo, es gibt anscheinend mehr von meiner Sorte! Tatsächlich ist das auch schon anderen passiert. Ich bin also gar nicht so strange.
Die Leute vom Fach sagen dir „Kein Problem. Du bist okay, so wie du bist. Du kannst nichts falsch und musst nichts richtig machen . Aber der Druck muss raus. Und das braucht Zeit.“ Und du merkst auf einmal, wie die Zentnerlast der Steine auf deiner Seele erschüttert und durchlässig wird. Du spürst die Wunden, aber das Durchatmen wird wieder möglich.

Erkennst du dich wieder?
Fortsetzung folgt.

Betty

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Leben wie Ikarus?

Kennst du die alte Geschichte von Ikarus aus der griechischen Mythologie?
Mit Flügeln, die mit Wachs befestigt waren, fühlte er sich kraftvoll und stark, wortwörtlich „beflügelt“. Mahnungen, nicht zu hoch zu fliegen, nahm er nicht ernst.
Grenzen auszutesten, sich über sie hinweg zu setzen, Neues auszuprobieren, verursachte ihm freudiges Kribbeln. No Risk – No Fun. Es erfüllte ihn mit Energie, seine Schwingen auszubreiten, die Strömungen der Luft darunter zu spüren und in ungeahnte Höhen aufzusteigen. Er fühlte sich erhaben und euphorisiert. Berauscht von der neuen Dimension, erfasst er zu spät die zunehmende Hitze der Sonne, der er immer näher kommt. Geblendet verliert er die Kontrolle und merkt, wie die Konstruktion seiner Flügel nachgibt, weil das Wachs in der Sonne schmilzt .
Versengt stürzt er in die Tiefe.

Leben wie Ikarus?

Vielleicht liegt eine ähnliche Story hinter dir. Ein Funken sprühendes Energiebündel, immer zum Einsatz bereit, Leistung aus Leidenschaft. Irgendwann dreht der Wind und du kommst nicht mehr voran. Keiner der dich anfeuert. Dein Akku läuft leer. Nichts geht mehr. Ein Häufchen Elend, das vor sich hin glimmt. Ausgebrannt. Neudeutsch: Burnout.

Wie geht es weiter? Der Geruch nach Verbranntem und kalter Asche haftet einem lange an, sagt man. Für immer „gebrandmarkt“ ?
Wie kommt das Leuchten wieder hinter die Fassade?  Unser Lebensgebäude- worauf ist es gegründet? Ist das Fundament noch tragfähig?
Wieder neu „feuerfangen“ – wie geht das?

Das lass uns gemeinsam herausfinden – in diesem Blog.

Betty

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