Steine im Weg? Mach was draus!

Wie hat das neue Jahr für dich angefangen?

Bist du gut durch gestartet oder war der Anfang etwas holprig? Wie ein unbeschriebenes Blatt Papier liegt das Jahr jetzt noch vor uns.

Steine im Weg?

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Verheißungsvoll und spannend für die Einen. Für andere überwiegt die Unsicherheit und Skepsis. Aber mit jedem Tag, der vergeht, schreibt dieses noch junge Jahr seine Geschichten und bald schon ist der Zauber der Erwartung verflogen und man folgt dem Nächstliegenden. Für viele bedeutet es schon pures Glück, ungehindert die Tage „absolvieren“ zu können. „Darf es auch ein bisschen mehr sein?“ Jaaaaa, melde ich mich. Ich möchte das Kribbeln wieder spüren, die Freude auf den Tag, der vor mir liegt. Mich auf Begegnungen freuen, irgendwie meinen Teil dazu beitragen,  dass Menschen und Dinge bewegt werden. Wieder aktiv sein können in dem Rahmen, der mir zur Verfügung steht.

Steine im Weg?

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Dabei muss ich die Steine, die auf meinem Weg liegen, ausräumen, damit ich nicht darüber stolpere. Doch wie werde ich mit diesen Hindernissen fertig?  Was stelle ich damit an? Denn ich habe den unbequemen Weg gewählt.  Die bequemen sind am Ende die Gefährlichen, heißt es. Und ausserdem: „Auch  aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen“ (J.W. von Goethe) Weiterlesen

Loslassen – der Zukunft eine Chance geben

Ich liebe die Zeit „zwischen den Jahren“. Um korrekt zu sein, gibt es sie natürlich nicht, denn die Jahre wechseln sich sekundengetreu ab. Aber es ist ein Luftholen nach dem meist turbulenten Weihnachtsfest und alles geht etwas ruhiger bis das neue Jahr von uns erwartet, wieder mit neuer Energie anzutreten. Mir scheint, diese Tage geben einem „offiziell“ die Erlaubnis, auszubaumeln, innezuhalten, privat zu sein, mit dem vergangenen Jahr persönlich abzuschließen.

zwischen den Jahren-Loslassen - der Zukunft eine Chance gebenAls würde ich die Erlebnisse in den Ordner 2016 ablegen, trenne ich mich jetzt schweren Herzens von schönen Reiseerlebnissen, unbeschwerten Sommertagen, fröhlichen Familientreffen….. Am besten alles bliebe, wie es ist – keine Veränderungen, die mein empfindliches und mühsam erreichtes Gleichgewicht ins Schwanken bringen. Ich fühle mich neuen Erschütterungen noch nicht gewappnet. Ich möchte festhalten, was ich habe und weiß doch, dass ich nicht selber darüber verfüge. Alles ist geliehene Zeit, sie bleibt nicht in meinen Händen, sie zerrinnt mir durch die Finger und ich muss sie loslassen. Nur so bekomme ich Platz für Neues, ob es mir gefällt oder nicht.zwischen den Jahren-Loslassen - der Zukunft eine Chance geben

 

Unsere große Welt ist so unsicher, dass ich mir meine eigene kleine sichere Welt basteln möchte. Am liebsten vakuumverpackt wie in einer Schneekugel. Stille, aber kein Leben. Die Sicherheit des Lebens besteht darin, dass es unruhig, unaufhaltsam und extrem wandlungsfähig ist. Flexibel. Ich habe also die Wahl , mich starr dagegen zu stellen und in Kauf zu nehmen, daran zu zerbrechen, oder selber flexibel zu werden, offen, gespannt auf das Neue. Wer weiß, vielleicht möchte ich auch davon in einem Jahr nichts missen?

Betty

Leidenschaft, die Leiden schafft

Was haben der Eiffelturm, die 9. Sinfonie, ein paar Jeans, Luthers 95 Thesen, Pippi Langstrumpf und die Sixtinische Kapelle gemeinsam?

Sie alle wurden von Menschen geschaffen, die, obwohl sie zu ganz unterschiedlichen Zeiten lebten, eines teilten: Eine ausgeprägte Leidenschaft zum Leben, die in ihnen das Beste hervorrief, was sie zu geben hatten: ihre Begabungen, Talente, Ausdauer, ihren Fleiss und Mut.

Leidenschaft, die Leiden schafft

Ich finde  den Begriff  „Leidenschaft“ wunderbar, weil er so komplexe Inhalte vermittelt, wie Schaffen, etwas mit Inbrunst tun, aber auch die Bereitschaft zu Leiden und Verzicht ausdrückt und damit das eigene Wohl hinter der Idee zurück stehen lässt. Passion. Also nichts für die breite Masse.

Leidenschaft, die Leiden schafft

Was  aber wäre die Welt ohne all die eingangs erwähnten Beiträge, die heute unsere Kultur so stark prägen? Es gibt nichts Weltbewegendes ohne Menschen, die sich mit Hingabe ihrer Sache widmen. Diese Menschen werden so dringend gebraucht! Und doch gibt es in unserem Land Viele, die mit leeren Gesichtern sich ihrem Einerlei-Trott ergeben haben. Es müssen ja auch nicht alle potentielle Burnout-Anwärter sein 😉

Leidenschaft, die Leiden schafft

Trotz aller Fehler, die sich gerächt haben, trotz der Demontierung meiner Persönlichkeit, trotz allen Leidens in diesem Zusammenhang: Immer noch und wieder möchte ich mich begeistern können. Was ich innerhalb meiner Möglichkeiten tun kann, mit Hingabe tun. Ein Lächeln in Gesichter zaubern. Ich möchte Spuren hinterlassen und auch glühender Bewunderer sein.  „Feuer fangen“ eben, auch wenn man sich dabei doch hin und wieder mal den Mund verbrennt. Mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit all meiner Kraft….leben, lieben, Funken sprühen.

Wofür brennst du?

Betty

Herz- wo bist du? Mein Lebensmittelpunkt

Ein Indianer und ein Weißer treffen sich zu Verhandlungen im Saloon.

Sagt der Indianer: „Hier zirpt irgendwo eine Grille.“ Der Weiße darauf: „Selbst wenn, die könntest du bei diesem Lärm hier sowieso nicht hören.“ Der Indianer geht vor die Tür und zeigt dem Weißen die Grille, die im Strauch daneben sitzt. „Gutes Gehör“ lobt der Weiße, „ihr seid eben Kinder der Wildnis“. Wieder im Saloon, lässt der Indianer unbemerkt eine Münze fallen. Sofort schaut der Weiße unter den Tisch. „Gutes Gehör“, lobt der Indianer…

Ein Indianer und ein Weißer treffen sich

Die Geschichte lässt offen, in welche Kategorie der Indianer die Weißen daraufhin schiebt, aber sie macht deutlich, daß wir unsere Aufmerksamkeit stets darauf richten, was uns wirklich wichtig ist.

Von jeher gilt das Herz poetisch als Zentrum unseres Wesens, zu dem all unsere Empfindungen zusammenlaufen. Also mein Lebensmittelnpunkt, um den sich meine Welt dreht. Was macht ihn aus? Bin ich irgendwo ganz „mit dem Herzen dabei“? Worauf ist mein Fokus scharf gestellt? Oder habe ich aus dem Blick verloren, was mir so wichtig war?  Drehe ich mich vielleicht nur um die eigene Achse? Bin ich noch auf der Zielgeraden? Habe ich überhaupt ein Ziel?

Ein Indianer und ein Weißer treffen sich

Ich glaube, es ist sogar existentiell, sich diese Fragen zu beantworten, denn in Zeiten allgemeiner und ganz persönlicher Verunsicherung laufe ich Gefahr, mich mühsam auf Umwegen zu plagen und in Sackgassen stecken zu bleiben, wenn ich nichts habe, wofür sich ein Ankommen lohnt. Ein Lebensziel zu haben, statt der Gedankenlosigkeit zu verfallen, treibt mich an und gibt neue Energie. Die Bibel drückt das unmissverständlich aus: “ …denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.“ ( Matth. 6,21)

Ein Indianer und ein Weißer treffen sich

Geh‘ auf Schatzsuche! Es muss nicht der Mittelpunkt der Erde sein. Es reicht der deines Lebens. Dann wirst du dein Herz auch wieder fühlen und kannst sogar wieder Feuer fangen…

Betty

PS: Ich habe mein Ziel gefunden, auch wenn die Route nicht immer klar ist. Die Bibel ist dabei meine „Schatzkarte“.

Dunkle Tage – wenn die Fröhlichmacher nicht fröhlich machen

Dunkle Tage - wenn die Fröhlichmacher nicht fröhlich machenSummertime and the living is easy…

haben es  große Jazz – Interpreten in der  bekannten Oper „Porgy and Bess“ von Gershwin besungen und drücken damit die Leichtigkeit des Seins aus, die ein unbeschwerter Sommertag mit sich bringt. Blauer Himmel, wogende Kornfelder, Meeresplätschern… Jeder assoziiert damit andere, aber immer angenehme Dinge.

Die Sonnenseite des Lebens ist uns leider nicht immer vergönnt. Was, wenn sich die Tage grau in grau feuchtkalt dahin schleppen und die Nebelschwaden sich klamm auch auf unser Gemüt zu legen scheinen? Wenn die größte Herausforderung des Tages darin besteht, morgens aufzustehen? Wenn die schon am Nachmittag einsetzende Dunkelheit beklemmend nach der Seele greift und ihr droht, im Meer aus Trübseligkeit zu versinken? Wenn die kleinen runden Fröhlichmacher uns ihre aufhellende Wirkung zu versagen scheinen und gut gemeinte Spaziergänge die Tristheit draußen noch mehr verinnerlichen?Dunkle Tage-www.feuerfangen.de

Wenn die  innere Chemie  aus dem Gleichgewicht geraten ist und die Highlights unserer Gefühle nicht mehr zu uns durchdringen, weil wir uns mit äusserer Chemie vor Tiefflügen schützen müssen, kann ein einfaches Prinzip  uns helfen, seelisch zu „überwintern“: Rückbesinnung auf schöne Dinge, die ich  z. Bsp im Sommer erlebt habe: Die Ferienreise, das Treffen mit Freunden, ein tolles Konzert, die Einladung zur Grillparty. Oder so simple Dinge, wie das weiche Moos unter meinen Füßen spüren, dIe Abende im Kerzenschein auf der Terrasse, sich im Wasser geschmeidig bewegen können, mit Kindern eine Sandburg bauen…

Dunkle Tage - wenn die Fröhlichmacher nicht fröhlich machen

Goethe formulierte es so: „Auch das ist Kunst, ist Gottes Gabe, aus ein paar sonnenhellen Tagen, sich soviel Licht ums Herz zu tragen, dass, wenn der Sommer längst verweht, das Leuchten immer noch besteht.

Dankbarkeit  ist ein weiteres Schlüsselwort im Umgang mit düsterer Stimmung. Dankbar zu sein für das, was man hat, statt nach dem zu sehen, was man nicht hat.

Noch krasser finden wir es bei Dale Carnegie in seinem Buch „Sorge dich nicht – lebe!“ ausgedrückt : „Das Leben war trübe, und Dollar hatte ich keine. Da traf ich auf der Straße einen Mann ohne Beine.“

Alles ist also relativ! Einer unserer ärgsten Gegner im Ringen um unser eigenes Wohlergehen ist gleichzeitig ein enger Vertrauter: das Selbstmitleid. Es verzerrt unseren Blick und versperrt der Dankbarkeit den Weg. Aber es liegt an uns, ihm Raum und Stimme zu verleihen. Halten wir also lieber nach den Sonnenstrahlen statt nach Regenwolken Ausschau!  Und wenn wir sie gar nicht sehen, ist es immer noch „besser, ein Licht anzuzünden, statt über die Dunkelheit zu schimpfen.“ (Konfuzius)

Betty

Dunkle Tage - wenn die Fröhlichmacher nicht fröhlich machen

Des Kaisers neue Kleider- Mut zur Wahrheit

Die Welt um uns herum ist laut und bunt.

Überall buhlt man um meine Aufmerksamkeit: Leuchtende Farben, schrille Töne, bewegte Bilder. Die verschiedenen Medien übertrumpfen sich darin, mein Interesse für alles nur Denkbare zu wecken. Viele Angebote sind verlockend und gaukeln mir vor, es besonders gut mit mir zu meinen. Respektable Institutionen, staatliche Einrichtungen, Personen der Öffentlichkeit – sie alle beanspruchen mein Vertrauen zu ihnen.

Und dann sind da noch die Stimmen in mir, die mich glauben ließen, über allem zu stehen, unantastbar zu sein für Schmeichelei, Ablenkung, Sentimentalitäten. Und die ganz plötzlich die Melodie von Dur auf Moll geändert haben und nun im Shuffle – Modus mir die Un-Wörter vorsingen: unbeholfen, unfähig, uninteressant, unwichtig, unsicher…….

Halt! Stop! Wir sind keine willenlosen Geschöpfe, die ferngesteuert reagieren müssen, und unsere Seele ist kein Teppich auf dem jeder nach Belieben herumtrampeln kann!Des Kaisers neue Kleider- Mut zur Wahrheit

„Die Freiheit des Menschenliegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will“.     (Jean Jaques Rousseau)

Eine Personengruppe, die dieses Prinzip wunderbar erfasst hat, sind zum Beispiel kleine Kinder. Und zum Leidwesen vieler Eltern setzen sie es jeden Tag aufs Neue um.  Kinder haben einen besonderen Sinn, zu erkennen, was echt oder geheuchelt ist. Haben wir das Kind in uns schon komplett zum Schweigen gebracht? Mir fällt dazu Hans Christian Andersens Märchen „Des Kaisers neuen Kleider“ ein. Aus Angst, als dumm oder unmodern eingestuft zu werden, gaben die Leute darin vor, etwas zu bestaunen, was es gar nicht gab. Weil alle es taten. Weil die Täuschung so geschickt verpackt war, dass man eher am eigenen Verstand als an der Glaubwürdigkeit anderer zweifelte. Erst ein kleines Kind sprach laut aus, was alle heimlich dachten: Da ist ja gar nichts dran! Beschämt mussten die Erwachsenen die in der Geschichte wörtlich genommenen „nackten Tatsachen“ zugeben.

Laß deinen gesunden Menschenverstand walten! Er hat nicht gelitten, wie oft du auch daran zweifelst oder andere dich als unmündig behandeln mögen. Unser Verstand unterscheidet uns im Wesentlichsten von den Tieren. Wo er nur noch auf „stand by“ steht, aber nicht aktiviert wird, verkümmert er und wir werfen  Willen, Energie, Fähigkeiten – unser ganzes Potential – wie Perlen den Säuen vor.

Des Kaisers neue Kleider- Mut zur WahrheitTriff bewusst deine Entscheidungen! Trau‘ dich zu sagen und zu tun, was du denkst, unabhängig davon, was andere davon halten. Du wirst damit nicht immer populär sein, aber auf jeden Fall du selbst. Und damit bist du, was unsere Welt so dringend braucht: authentisch.

Betty

PS: Ich liebe den großen Künstler Joan Miro. Vielleicht hat auch er sich bei seinen großformatigen Wandbildern von kleinen Kindern inspirieren und einfach das  Kind in ihm malen lassen. Ich finde, das stellt die Ausdruckskraft nicht in Frage, oder was meinst du? ;-))


Self-Portrait I

Joan Miro
 

Authentisch leben – wer bin ich wirklich?

Du hast dich ganz neu kennengelernt.

Und du fragst dich, wo ist es hin, das alte ICH? Die geschäftige, selbstbewusste Person, die stets alles im Griff, ständig das letzte Wort hatte? Gedanklich immer den anderen voraus, mit einem scheinbar unerschöpflichen Vorrat an Energie, die sie einzusetzen nie müde wurde, wenn bei allen anderen schon die Luft raus war. Neue Herausforderungen wurden freudig begrüßt. Tatendrang aus Leidenschaft.

Authentisch leben - wer bin ich wirklich?

Jetzt bist du froh, wenn du deinen Alltag halbwegs geregelt bekommst. Manchmal in Zeitlupe. Deine Gedanken wandern umher, du schaffst es nicht, sie einzuholen, sie da zu konzentrieren,  wo du sie gerade brauchst. Deine To – do – Liste bleibt leer, du magst die Lappalien nicht eintragen,  die dir gezwungenermaßen dennoch alles abverlangen.

Du sehnst dich nach deinem früheren Ich, dass irgendwo verlorengegangen sein muss. Auf das du so stolz warst! Diese Person scheint nur noch wenig mit dir gemein zu haben.

Aber warst du das wirklich, oder hast du dir und anderen etwas vorgemacht?  Woher kam deine Energie? Hast du den Dynamo übersehen, der an deinem Hamsterrad befestigt war? Du hast dich  selber angetrieben! Wofür? Was war deine Motivation? Hast du dir diese Frage jemals erlaubt?  In einem Krimi gehört zu jeder Tat ein Motiv. Oft ist sogar die Erkenntnis des Motivs die Vorraussetzung, dem Täter auf die Spur zu kommen. Das WARUM ist für uns also eigentlich wichtiger als das WAS (am Ende dabei hinten rauskommt), auch wenn wir uns das nur ungern eingestehen, weil so unschöne Begriffe wie Geltungsdrang, Sehnsucht nach Anerkennung, sich beweisen müssen, Ehrgeiz u.s.w. dahinter stecken. Mein Lieblingswort  „Ergebnisorientierung“ erscheint plötzlich zwielichtig. Der Zweck heiligt eben nicht alle Mittel.

Authentisch leben - wer bin ich wirklich?

Um die Frage zu beantworten: „Wer bin ich wirklich?“ muss ich auch die Frage: „Was treibt mich an?“ stellen. Die Selbsterkenntnis, dass vielleicht nicht alle Motive edel, hilfreich und gut waren, ist schmerzhaft, aber um nicht der Selbsttäuschung zu erliegen, unvermeidbar.

Erst diese Auseinandersetzung mit dir selbst, ermöglicht es dir, dein wahres Ich zu entdecken, authentisch zu leben und echt zu sein. Ohne die Maske des Perfektionismus darf ich zu Fehlern stehen, Schwäche zeigen und Hilfe annehmen. Befreites Leben leben.

Jemand, dem dies nicht vergönnt war, aber der sich die gleichen Fragen gestellt hat, war der Theologe und am Widerstand gegen die Nazis Beteiligte, Dietrich Bonhoeffer. Er wurde kurz vor Kriegsende im KZ hingerichtet. Trotz seiner Zweifel und Fragen wusste er sich aufgehoben.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
Wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer der Siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott,
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott.

Dietrich Bonhoeffer

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Ein Meer aus Zeit

Und dann bekommst du etwas sehr Kostbares geschenkt.

Etwas, mit dem du martialisch umgegangen bist. Etwas, was du ausgebeutet hast, indem du es vollgestopft hast, bis es eben nicht mehr da war. Etwas, was du scheinbar Untätigen überlassen hast. Etwas, womit du jongliert hast, immer kunstvoller, bis es dir schliesslich entglitten ist. Du dachtest, es im Griff zu haben, bis das Rollenspiel gewechselt und du selbst zum Spielball geworden bist.

Ein Meer aus ZEIT.

Ein Meer aus Zeit

Du kannst sie nicht kaufen, mit dem was du erarbeitet hast. Du bekommst sie geschenkt, anvertraut, notfalls verordnet.

Was fängst du damit an? Am Anfang macht es dir vielleicht sogar Angst. Wer gewöhnt ist, immer gefordert, gefragt, immer mittendrin zu sein, der mag sich jetzt vielleicht sogar ausgegrenzt, aufs Abstellgleis, abgeschoben oder in die eigene Häuslichkeit verbannt fühlen. Manches wirkt nur solange reizvoll, wie es unmöglich scheint, es zu besitzen. Leben nach Burnout-www.feuerfangen.de

Ich möchte dir Mut machen, das Abenteuer Zeit zu wagen. Es ist nicht jedem vergönnt. Trau dich, im „Meer aus Zeit“ zu baden. Immer ein wenig weiter hinein, bis die Wellen dich tragen und du anfangen musst zu schwimmen, um die Richtung selbst zu bestimmen, deinem Alltag wieder ein Stück Struktur zu geben.

Für mich war es der schönste ‚Badesommer‘ überhaupt: den Vögeln zu lauschen, auszuruhen, Freunde zu treffen, mit Kindern zu spielen, Sonnenuntergänge zu bestaunen.

Leben nach Burnout-Meer aus Zeit-www.feuerfangen.de

Vergangenes zu reflektieren, an Zukünftiges nicht denken zu müssen. Das Leben in der Gegenwart zu lernen. Zeit zu haben, auch für andere, macht dich schnell zur Anlaufstelle. Du ermutigst und bekommst Ermutigung. Du hörst zu und dir wird zugehört. Du nimmst dich zurück und bekommst Aufmerksamkeit. Du merkst auf einmal, dass das Leben auch von einem Platz auf der Reservebank aus spannend sein kann und dass du für die Menschen, die dir kostbar sind, genauso wertvoll  bist, unabhängig von dem, was du gerade zu leisten im Stande bist.

Betty

Total Eclipse of my heart – Raus aus dem Tunnel

 

Du bist in ein tiefes Loch gefallen und hast nicht die Kraft, dich da raus zu kämpfen.
Du glaubst, du bist vom Leben abgeschieden, allein mit deinem neuen Ich, dass du so gar nicht kennst. Es stellt sich vor: Erschöpfung. Sich nicht konzentrieren können. Traurigkeit. Mutlosigkeit. Perspektivlosigkeit. Na toll! Sonst noch was? Ach ja: Nichts auf die Reihe kriegen.
Zuerst versuchst du es mit Ignoranz: Das bin nicht ich. So bin ich nicht. Aber deine Gedanken fahren Karussell. Endlosschleife. Dann erkennst du, dass du diesen ungebetenen Gast nicht einfach wieder los wirst. Also bekämpfst du ihn. Nur hat dich all deine Kraft verlassen.
“Der Geist ist frei und unberechenbar…“ erkannte schon der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel vor ca. 200 Jahren. Ob er das damit gemeint hat? Du fühlst dich dieser, deiner neuen Persönlichkeit ausgeliefert. Gnadenlos verbraucht sie Schachtelweise Kleenex. Sie heult in der Sauna, unter der Dusche, unter der Bettdecke, sie heult auf dem Klo. Sie heult beim Wimpern tuschen, beim Autofahren, im Supermarkt, beim Essen. Irgendwie immer.

So kann es nicht weitergehen, denkst du. Irgendwer muss doch den Wasserhahn wieder abstellen können. Hilfe!! Ich brauche Hilfe!! Glückwunsch- der erste Gedanke in eine richtige Richtung! Lass eine Fachkraft ran. „Seelenklempner“. Jetzt weißt du auch, woher dieses Wort kommt. Die helfen, den Hahn wieder zuzudrehen.

Total Eclipse of my heart – Raus aus dem TunnelUnd du merkst auf einmal: Hallo, es gibt anscheinend mehr von meiner Sorte! Tatsächlich ist das auch schon anderen passiert. Ich bin also gar nicht so strange.
Die Leute vom Fach sagen dir „Kein Problem. Du bist okay, so wie du bist. Du kannst nichts falsch und musst nichts richtig machen . Aber der Druck muss raus. Und das braucht Zeit.“ Und du merkst auf einmal, wie die Zentnerlast der Steine auf deiner Seele erschüttert und durchlässig wird. Du spürst die Wunden, aber das Durchatmen wird wieder möglich.

Erkennst du dich wieder?
Fortsetzung folgt.

Betty